Sie sind hier:  Rechtsgebiete » Erbrecht » Erbschein

Erbschein

Erbschein – Erbscheinsantrag

Was ist ein Erbschein?

Der Erbschein wird durch das zuständige Nachlassgericht ausgestellt. Mit ihm kann der Erbe im Rechtsverkehr seine Erbenstellung nachweisen. Eventuell bestehende Beschränkungen wie Testamentsvollstreckung oder Nacherbschaft werden in dem Erbschein vermerkt.

Er ist ein Legitimationspapier und genießt öffentlichen Glauben. Im Rechtsverkehr werden die im Erbschein vermerkten Personen als Erben angesehen. Von ihnen vorgenommene Rechtshandlungen wirken gegenüber dem Nachlass, auch wenn der Erbschein später als unrichtig eingezogen wird.

Mithilfe des Erbscheins kann über die Bankkonten des Erblassers verfügt werden. Auch Grundstücke des Nachlasses können übertragen und/oder veräußert werden.

Es gibt unterschiedliche Arten von Erbscheinen. Sie werden nach Reichweite und Personenkreis wie folgt unterschieden: Alleinerbschein für den Alleinerben, gemeinschaftlicher Erbschein für Miterben, Teilerbschein, Gruppenerbschein, gemeinschaftlicher Teilerbschein oder beschränkter Erbschein.

Für Todesfälle ab dem 27.8.2015 kann auch ein Europäisches Nachlasszeugnis beantragt werden.

Vor Beantragung des Erbscheins ist zu prüfen, ob der Erbschein benötigt wird. Lässt sich die Erfolge unzweifelhaft aus einem notarielles Testament herleiten, genügt in der Regel die beglaubigte Abschrift des Eröffnungsvermerks des Nachlassgerichtes über die Eröffnung dieses notariellen Testamentes als Legitimation des Erben. Auch die weitverbreiteten transmortale notariell beglaubigten Generalvollmachten können einen Erbschein überflüssig machen.

Wie stelle ich den Antrag auf Erteilung eines Erbscheins?

Ein Erbschein wird vom zuständigen Nachlassgericht nur auf Antrag erteilt.

Zuständig ist das Nachlassgericht, in dessen Bezirk der Erblasser bei seinem Tode seinen letzten Wohnsitz hatte.

In der Praxis gibt es drei verschiedene Arten der Antragstellung:

1. Die Erben können den Antrag – beispielsweise vertreten durch ihren Rechtsanwalt – schriftlich beim Nachlassgericht stellen. In der Regel wird eine notariell beurkundete eidesstattliche Versicherung der Richtigkeit der gemachten Angaben verlangt.

2. Die Erben können den Antrag auch persönlich zu Protokoll beim Nachlassgericht stellen. Dabei ist in der Regel dort eine eidesstattliche Versicherung der Richtigkeit der gemachten Angaben erforderlich.

3. Die Erben können den  Erbscheinsantrag  insgesamt durch den Notar beurkunden lassen. Dieser nimmt dann auch die eidesstattliche Versicherung ab.

Der  Antrag bedarf keiner besonderen Form, es sind jedoch detaillierte Angaben zur Erbfolge und weiterer Tatsachen zu machen. Die zur Feststellung dieser Tatsachen geeigneten Beweise, z.B. Urkunden (Testamente, Geburtsurkunden, Heiratsurkunden usw.) müssen vorgelegt werden. Es empfiehlt sich daher, einen Spezialisten zu Rate zu ziehen.

Für den Antrag werden benötigt:

Der Personalausweis des Antragstellers und die Sterbeurkunde des Erblassers;

Familienstammbuch und/oder Geburtsurkunden, Heiratsurkunden, Sterbeurkunde Vorverstorbener, Scheidungsurkunden;

sämtliche Testamente und Erbverträge des Erblassers (diese sind zum Teil beim Nachlassgericht hinterlegt).

Sind die Angaben durch öffentliche Urkunden nicht zu belegen, sind grundsätzlich auch andere Beweismittel wie z.B. der Zeugenbeweis, die eidesstattliche Versicherung Dritter möglich. Sogar die Existenz eines nicht auffindbaren Testamentes lässt sich durch Zeugen beweisen.

 

Wer kann den Antrag stellen?

Den Antrag auf Erteilung eines Erbscheins können die Erben, auch der einzelne Miterbe, der Testamentsvollstrecker, der Nachlassverwalter, der Nachlassinsolvenzverwalter sowie alle Gläubiger, die einen vollstreckbaren Titel gegen den Erblasser haben, stellen.

Wie läuft das Verfahren ab?

Nach dem Antrag gewährt das Nachlassgericht allen anderen Beteiligten rechtliches Gehör. Beteiligt in dem Verfahren sind alle Personen, die grundsätzlich als Erbe in Betracht kommen, sei es, dass sie in einer letztwilligen Verfügung erwähnt werden oder grundsätzlich als gesetzliche Erben in Betracht kommen.

Gegen die Entscheidung des Nachlassgerichtes zur Erteilung des Erbscheines oder der Abweisung des Erbscheinantrages kann Beschwerde beim zuständigen Oberlandesgericht eingelegt werden. Die Beschwerde ist auch dann möglich, wenn ein Erbschein nachträglich wegen Unrichtigkeit eingezogen wird.

Das Erbscheinverfahren wird ausgesetzt, wenn vor den zuständigen Zivilgerichten eine Erbenfeststellungsklage eingereicht wird.

Meine Leistungen:

Ich berate sie in allen Fragen rund um den Erbschein und den Nachweis ihrer Erbenstellung. Insbesondere überprüfe ich, ob ein Erbschein beantragt werden muss oder aber über den Nachlass mit den vorhandenen Unterlagen verfügt werden kann.

Wenn ein Erbschein beantragt werden muss, bereite ich Ihren Erbscheinsantrag und die eidesstattliche Versicherung vor und vertrete Sie im Verfahren vor dem Nachlassgericht.

Ich überprüfe auch unklare letztwillige Verfügungen (Testamente und Erbverträge) und berate Sie über das weitere Vorgehen.

Fehlt eine Verfügung von Todes wegen, klären wir ab, wer gesetzlicher Erbe geworden ist und machen Ihre Rechte als gesetzlicher Erbe im Erbscheinsverfahren geltend.

Haben Sie Fragen oder möchten Sie einen Erbschein beantragen? Wünschen Sie Informationen zu weiteren Fristen und Kosten?

Rufen Sie uns an und vereinbaren Sie eine Beratung oder verwenden Sie das Kontaktformular.

 

Heilbronn, den 18.2.2020

Dr. Andreas M. Kramp

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Erbrecht

Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht

Fachanwalt für Insolvenzrecht

Rechtsanwalt Dr. Andreas M. Kramp
Berliner Platz 6
74072 Heilbronn
Tel. 07131-9672-50
Fax 07131-9672-72

info[at]heilbronn-fachanwalt|de

Fachanwalt für Erbrecht,
Fachanwalt für Handels-
und Gesellschaftsrecht,
Fachanwalt für Insolvenzrecht